So förderst Du LRS-Kinder einfach und spielerisch

Autor: Natascha FaulhaberVeröffentlicht am 2. Juni 2026
Eine Lehrerin und zwei junge Mädchen lächeln und sind in eine Unterrichtsaktivität vertieft, während sich im Hintergrund ein weiteres Kind befindet.
Im Alltag kennst Du solche Momente sicher: Ein Kind zieht sich beim Vorlesen zurück, reagiert bei Lese- oder Schreibaufgaben sofort mit Unruhe oder scheitert plötzlich an einfachen Wörtern. Weil diese Signale oft leise beginnen, werden sie leicht falsch gedeutet. Dieser Beitrag hilft Dir, Anzeichen von LRS bei Kindern besser einzuordnen, von anderen Ursachen abzugrenzen und Schülerinnen und Schüler im Alltag gezielt zu unterstützen. Du erfährst, worauf Du achten solltest, welche Übungen sinnvoll sind und wie Du oft schon mit kleinen Dingen viel bewirken kannst.
Kurzzusammenfassung 
  • Eine Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) zeigt sich meist in einem auffälligen Muster über längere Zeit.
  • Typische Anzeichen sind stockendes Lesen, unsicheres Worterkennen und wiederkehrende Rechtschreibfehler.
  • Viele Auffälligkeiten werden zunächst mit Unlust, Unkonzentriertheit oder Schlampigkeit verwechselt.
  • Hilfreich sind kurze, regelmäßige Übungen mit Lauten, Silben, Wortteilen und vertrauten Wörtern aus dem Alltag.
  • Je früher ein Kind verstanden und passend unterstützt wird, desto besser lassen sich Frust und Selbstzweifel abfedern.
Kind in blauem Pullover hält sich den Kopf, während Buchstaben chaotisch herumfliegen.
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Was ist LRS bei Kindern?

 LRS bei Kindern bedeutet, dass ein Kind über längere Zeit deutliche Schwierigkeiten beim Lesen und/oder Schreiben hat. Gemeint sind nicht nur normale Anfangsfehler. Vielmehr geht es um Auffälligkeiten, die anhalten und im Alltag immer wieder sichtbar werden.  Ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (oft auch Lese-Rechtschreib-Störung genannt) hat vor allem Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Lauten, Buchstaben, Silben und Wörtern. Genau diese Grundlagen braucht es, um Gesprochenes sicher in Schrift zu übertragen und geschriebene Wörter flüssig zu lesen. Die Schwäche betrifft also nicht die allgemeine Intelligenz und ist auch keine Folge fehlender Anstrengung. 

Woran erkennt man LRS bei Kindern?

LRS bei Kindern erkennt man nicht an einem einzelnen Fehler im Hausaufgabenheft. Entscheidend ist das Gesamtbild. Fast alle Kinder machen am Anfang ähnliche Fehler in der Schule. Bei einer Lese-Rechtschreib-Störung treten sie aber deutlich häufiger auf und bleiben über längere Zeit bestehen. Typisch sind viele Fehler beim Wortlesen, eine deutlich verringerte Lesegeschwindigkeit und anhaltende Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung.  

Was sind die Symptome von LRS?

Oft fällt nicht nur ein einzelner Fehler auf. Auffällig ist, dass sich dieselben Schwierigkeiten im Alltag immer wieder zeigen. 
  • Beim Lesen wirkt ein Kind mit LRS oft, als kämpfe es sich Wort für Wort durch den Text. Es liest langsam, stockt, verliert die Zeile oder errät Wörter.
  • Oft leidet auch das Textverständnis, weil das Entziffern einzelner Wörter schon zu viel Kraft kostet.
  • Beim Schreiben zeigen sich meist wiederkehrende Fehler. Buchstaben werden verwechselt, ausgelassen oder ergänzt. Auch bekannte Wörter werden nicht sicher gespeichert.
  • Für Eltern und Lehrkräfte wirkt das schnell wie fehlende Mühe. Tatsächlich liegt die Schwierigkeit aber darin, dass Laute, Buchstaben, Silben und Wörter nicht sicher verarbeitet und miteinander verbunden werden.
 Wesentliche Warnsignale sind auch Reaktionen wie Vermeidung, Frust, Rückzug oder sinkendes Selbstvertrauen. Zusätzlich kann es auffällig sein, wenn ein Kind mündlich sicher wirkt, Inhalte aber beim Lesen oder Schreiben nicht entsprechend wiedergeben kann.

Womit werden die Anzeichen für eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oft verwechselt?

 Viele Auffälligkeiten wirken auf den ersten Blick wie Unlust oder Unkonzentriertheit, haben aber oft eine ganz andere Ursache:
Tabelle, die Indikatoren für LRS, häufige Verwechslungen und Unterscheidungsmerkmale auflistet – mit Symptomen wie langsamem Lesen und häufigen Fehlern.

Wie lässt sich erkennen, ob ein Kind Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten hat?

 

Achte darauf, ob immer wieder dieselben Fehler auftauchen, ob das Kind trotz Übens unsicher bleibt, Hausaufgaben sehr langsam bearbeitet oder bestimmte Aufgaben lieber vermeidet. Hilfreich ist, wenn Du über einige Wochen konkrete Beispiele sammelst: 
  • typische Verleser beim Vorlesen
  • Wörter, die immer wieder falsch oder wechselnd geschrieben werden
  • Situationen, in denen das Kind Lesen oder Schreiben vermeidet
  • auffällige Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung
  • Hausaufgaben, die ungewöhnlich viel Zeit und Kraft kosten
 Wenn Dir im Alltag etwas Vergleichbares auffällt, ist bei Schulkindern meist zuerst die Schule die richtige Anlaufstelle. Du kannst Eltern ermutigen, mit der Klassenlehrkraft zu sprechen. Für die fachliche Abklärung kommen je nach Fall schulpsychologische Dienste sowie kinder- und jugendpsychiatrische oder psychologische Fachstellen infrage. Auch Kinder- und Jugendärzte können erste Orientierung geben und weiterverweisen.

Lesen und Schreiben: Welche Übungen helfen Kindern mit Lese-Rechtschreib-Störung?

 Kindern mit LRS helfen vor allem kurze, regelmäßige Übungen, die Sprache hörbar, sichtbar und greifbar machen. Sinnvoll sind Aufgaben zu Lauten, Silben und Reimen, dazu Leseübungen mit Silben, kurzen Sätzen und Wortbausteinen sowie Schreibübungen mit lautgetreuem Sprechen, Silbengliederung und Wortfamilien. Wichtig ist, dass die Wörter aus dem Alltag des Kindes kommen, die Anleitung einfach bleibt und kein Druck entsteht. 

Welche Übungen helfen beim genauen Hören von Lauten?

Gerade bei LRS bei Kindern ist es wichtig, Sprache in kleineren Bausteinen wahrzunehmen. Dazu gehören Laute, Silben und Reimstrukturen. Die folgenden Übungen sind besonders alltagstauglich, wenn Du sie spielerisch und mit vertrauten Wörtern umsetzt:  

Silben klatschen mit gewohnten Alltagswörtern

Nimm Wörter, die das Kind kennt. Zum Beispiel Tomate, Jacke, Banane oder den Namen eines anderen Kindes. Sprich das Wort langsam vor und klatscht gemeinsam jede Silbe. Danach kann das Kind im Raum noch weitere Wörter suchen, die sich genauso gut klatschen lassen. Die Übung wirkt, weil das Wort in kleinere Teile zerfällt. Sprache wird dadurch greifbarer. Exakt das hilft später beim Lesen und Schreiben, weil Wörter weniger kompakt und weniger überwältigend wirken. Tipp: Besonders schön wird die Übung, wenn Du sie beweglich machst. Ihr könnt klatschen, hüpfen oder für jede Silbe einen Bauklotz hinlegen.  

Anlaute hören mit Dingen aus dem Gruppenraum

Du nimmst einfach Dinge aus dem Raum, zum Beispiel einen Ball, ein Buch, einen Becher, eine Schere oder die Sonne auf einem Bild. Dann sagst Du das Wort deutlich und fragst: Welchen Laut hörst Du am Anfang? Wichtig ist, dass das Kind zuerst auf den Klang achtet und nicht gleich den Namen des Buchstabens nennt. Danach kann es selbst auf Lautsuche gehen und Gegenstände finden, die mit demselben Laut anfangen. Das wirkt, weil das Kind lernt, den Anfang eines Wortes bewusst wahrzunehmen. Genau diese Fähigkeit ist später wichtig, wenn Laute sicher Buchstaben zugeordnet werden sollen. Tipp: Hilfreich ist, mit gut hörbaren Lauten zu beginnen und das Tempo ruhig zu halten. 

Reimspiele mit Karten, Bildern oder Quatschwörtern

Du kannst Bildkarten nehmen, Bilder aus einem alten Arbeitsheft ausschneiden oder selbst kleine Kärtchen malen. Dann sucht das Kind Wörter, die zusammenklingen. Maus und Haus. Tonne und Sonne. Später darf es selbst Reimwörter finden oder sogar lustige Quatschreime erfinden. Das hilft, weil das Kind feiner auf Klangmuster achtet. Sprache bekommt Struktur. Und weil Reime oft lustig wirken, entsteht weniger Druck. Tipp: Schön ist es, wenn ihr die gefundenen Reimpaare in einer kleinen Reimkiste sammelt oder an ein Plakat heftet.

Welche Übungen helfen bei Schwierigkeiten beim Lesen?

 Wenn ein Kind schon erste Wörter liest, sollten die Übungen das Lesen entlasten. Deutsche Förderempfehlungen betonen dabei unter anderem das Arbeiten mit Silben, Wortteilen und wiederkehrenden Mustern, weil genau das die Leseflüssigkeit unterstützen kann.  

Wörter in Silben sichtbar machen

Schreibe ein bekanntes Wort groß auf eine Karte. Zum Beispiel Rakete, Tomate oder Laterne. Markiere die Silben mit Bögen, Farben oder kleinen Trennlinien. Dann lest ihr zuerst Silbe für Silbe und danach das ganze Wort. Die Übung wirkt, weil das Kind auf kleine, überschaubare Einheiten schaut. Das Lesen wird strukturierter und oft sicherer.Tipp: Am besten nimmst Du Wörter aus Themen, die gerade öfter in der Gruppe vorkommen.  

Mini-Lesen mit kurzen Satzstreifen

Schreibe kurze Sätze auf kleine Streifen. Zum Beispiel: „Lina malt.“ oder „Der Hund rennt.“ Zuerst liest Du den Satz vor. Dann lest ihr ihn zusammen. Danach liest das Kind ihn möglichst allein.Die Übung wirkt durch Wiederholung. Beim zweiten Lesen geht es oft schon leichter. Beim dritten Lesen flüssiger und so entstehen kleine Erfolgserlebnisse.Tipp: Gut ist, wenn die Sätze zu echten Situationen aus dem Alltag passen. Dann versteht das Kind sie schneller und bleibt näher dran. 

Wortbausteine entdecken

Schreibe mehrere Wörter mit demselben Wortstamm auf Karten. Zum Beispiel spielen, Spieler, Spielplatz. Oder: malen, Malkasten, ausmalen. Dann schaut ihr gemeinsam: Was kommt immer wieder vor? Das hilft, weil Wörter nicht mehr wie zufällige Buchstabenfolgen aussehen. Das Kind merkt: Es gibt Teile, die wiederkehren. Wenn diese Teile erkannt werden, wird das Lesen leichter. Tipp: Sehr anschaulich wird die Übung mit Farben. Der gleiche Wortteil bekommt immer dieselbe Farbe. 

Welche Übungen helfen beim Schreiben und Rechtschreiben?

Hilfreich sind Übungen, die Hören, Struktur und Schreiben miteinander verbinden. Laut-Buchstaben-Zuordnung, Arbeit mit Silben und wiederkehrenden Wortmustern gehören dabei zu den in Deutschland empfohlenen Förderbausteinen. 

Laut für Laut schreiben mit Bildkarten

Nimm eine einfache Bildkarte oder male selbst etwas auf. Zum Beispiel Maus, Hut oder Dose. Das Kind sagt das Wort. Dann sprecht ihr es langsam zusammen. Danach schreibt das Kind den passenden Buchstaben oder legt ihn mit Buchstabenkarten. Die Übung wirkt, weil Hören und Schreiben direkt miteinander verbunden werden. Das Kind achtet auf den inneren Aufbau des Wortes. Tipp: Besonders gut klappt das mit kurzen Wörtern und mit Material, das man anfassen kann. Magnetbuchstaben, Buchstabenkarten oder kleine Zettel helfen oft mehr als nur Stift und Papier. 

Wörter in Silben zerlegen, bevor sie geschrieben werden

Sprecht das Wort zuerst gemeinsam. Dann klatscht ihr die Silben. Danach schreibt das Kind das Wort Silbe für Silbe auf bunte Papierschnipsel. Das hilft, weil das Wort kleiner und überschaubarer wird. Das Kind muss nicht alles auf einmal festhalten.Tipp: Schön ist, wenn Du hier mit vielen Farben arbeitest.  

Wörter sortieren nach Endungen oder Wortbausteinen

Schreibe verschiedene Wörter auf Karten, zum Beispiel: malen, spielen, springen oder Leser, Spieler, Fahrer. Dann soll das Kind die Wörter so sortieren, dass zusammenpasst, was gleich endet oder denselben Wortbaustein enthält. Die passenden Karten legt ihr nebeneinander oder auf kleine Felder. Das wirkt, weil das Kind wiederkehrende Muster in Wörtern erkennt. Rechtschreibung erscheint dadurch nicht mehr zufällig. Das Kind merkt: Viele Wörter sind ähnlich aufgebaut und folgen einer Struktur. Tipp: Praktisch ist eine kleine Kartenbox oder ein Umschlag, in dem Du solche Sortierwörter sammelst und immer wieder neu einsetzen kannst.
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Fazit: Kleine Beobachtungen, die viel ausmachen

 Kinder mit LRS brauchen im Alltag vor allem Erwachsene, die ruhig bleiben, genau hinschauen und machbare Wege anbieten. Kurze Übungen, vertraute Wörter, kleine Erfolgserlebnisse und ein wertschätzender Blick können viel auffangen.  Gezielte Fortbildungen in den Bereichen Sprachentwicklung, phonologische Bewusstheit und diagnostische Beobachtung ermöglichen es Dir, Entwicklungsbedarfe frühzeitig zu identifizieren und Kinder kompetent in ihrer Entfaltung zu unterstützen. Zusätzlich ist es wichtig, Rechtschreibprobleme als Teil einer möglichen Lernstörung zu verstehen, den individuellen Lernstand und Leistungsstand zu berücksichtigen und durch gezielte Übungen sowie ggf. eine Lerntherapie oder Unterstützung durch Therapeuten weitere Schwierigkeiten zu vermeiden und das Leseverständnis nachhaltig zu stärken.

FAQ

Was sind die Symptome von LRS?Typisch sind langsames, stockendes Lesen, häufiges Erraten oder Vertauschen von Wörtern und wiederkehrende Rechtschreibfehler. Auch wenn bekannte Wörter immer wieder anders geschrieben werden oder Lesen und Schreiben Probleme machen und sehr viel Kraft kosten, solltest Du deutlicher hinschauen. Wo kann ich ein Kind auf LRS testen lassen?Bei Schulkindern ist die Schule oft die erste Anlaufstelle. Für die fachliche Abklärung kommen je nach Fall schulpsychologische Dienste sowie kinder- und jugendpsychiatrische oder psychologische Fachstellen infrage. Welche Übungen bei Lese- und Rechtschreib-Schwäche?Hilfreich sind kurze, regelmäßige Übungen mit Lauten, Silben und Wortmustern. Gut geeignet sind zum Beispiel Silbenklatschen, Reime finden, Anlaute hören oder Laut-für-Laut-Schreiben. Welche Hilfe gibt es für ein Kind mit LRS?Hilfreich sind schulische Förderung, Unterstützung im Unterricht und je nach Bundesland weitere Maßnahmen wie ein Nachteilsausgleich. Auch außerschulische Förderung kann sinnvoll sein.
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